Dorfbewohner vertreiben Jäger und retten Hirsch.

Es gehört zu den Aufgaben eines Försters, den Wildbestand in seinem Wald zu prüfen und gegebenenfalls auszugleichen. Deshalb haben viele Förster zugleich einen Jagdschein. In ganz Europa gibt es aber auch private Jäger – allein in Deutschland sind es rund 380.000. Diese Hobby-Jäger sehen im Töten von Tieren einen Sport.

Einer dieser Hobby-Jäger bekam nun in dem kleinen Ort Oise (Frankreich) einen gehörigen Denkzettel verpasst, als seine Treibjagd auf einem Gartengrundstück endete.

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Schweißnass, mit blutiger Zunge und zerschundenen Gelenken steht auf einmal mitten im Garten ein stattlicher Hirsch. Umringt von bellenden Jagdhunden bangt er zitternd um sein Leben. Der Jäger, der für diese Situation verantwortlich ist, steht in einiger Entfernung. Obwohl das Tier in Schussposition steht, schießt er nicht. Der Grund für sein Zögern: Etwa dreißig Menschen haben sich zwischen das panische Tier und den Jäger gestellt. 

Facebook/Karine Van-assche

Nur wenige Minuten zuvor war der Hirsch auf der Flucht vor den aggressiven Hunden des Jägers in den Garten am Rand des französischen Städtchens geraten. Glück im Unglück, möchte man meinen, denn in Frankreich ist es verboten, in Städten oder auf fremden Grundstücken Wild zu schießen. Aber der Jäger ließ nicht locker. Mithilfe seiner Jagdhunde versuchte er, den Hirsch von dem Grundstück wieder zurück in den Wald zu treiben. Dort wollte er das bereits angeschlagene Tier erlegen. 

Allerdings hatte er seine Rechnung ohne die Dorfbewohner gemacht! Durch den Lärm der Hunde auf die Szene aufmerksam geworden, kamen diese nämlich aus den anliegenden Häusern und schritten ein: Dreißig besonders Mutige umstellten den verletzten Hirsch und forderten den Jäger auf, das arme Tier in Frieden zu lassen. Der Jäger sah sich jedoch um seine Beute betrogen und weigerte sich, den Forderungen der Anwohner nachzukommen. Selbst ein Anruf beim örtlichen Bürgermeister konnte den Waidmann nicht überzeugen, von dem verängstigten Tier abzulassen.

Facebook/Karine Van-assche

„Die Situation war brenzlig. Der Jäger wurde mit allen erdenklichen Ausdrücken beschimpft“, berichtet ein Augenzeuge. Die Dorfbewohner wichen nicht von der Stelle. Der Bürgermeister kam schließlich persönlich herbei und versuchte, diplomatisch, aber nachdrücklich auf den Jäger einzureden. Am Ende hatte er Erfolg: Nach zwei Stunden des Protests musste der Verfolger des Hirsches klein beigeben und sich zurückziehen.

Dieses Mal konnte der Hirsch gerettet werden. Niemand weiß jedoch, wie es ihm ergeht, sobald er in den Wald zurückkehrt. Denn dort ist er erneut in Gefahr. In den Wäldern sind Hirsche immer noch zum Abschuss freigegeben und beim nächsten Mal schafft das prächtige Tier die Flucht nach Oise vielleicht nicht mehr.

Das folgende Video zeigt, in welcher verzwickten Lage sich das verängstigte Tier in dem Gartengrundstück befand.

Die Aktion der Dorfbewohner hat eine lange währende Diskussion neu angefacht. Denn seit geraumer Zeit wird in Frankreich über ein grundsätzliches Verbot des Jagdsportes debattiert. Allein Förster sollen zukünftig die Erlaubnis erhalten, Wildbestände durch gezielten Abschuss zu regeln.

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